16 Minuten

Utility Token vs. Security Token

Daniela Cherkova
27.06.2018

Seit einiger Zeit wird ein ICO dazu genutzt unterschiedliche Projekte zu finanzieren. Bei einer ICO handelt es sich um eine innovative Form des Crowdfundings, wobei die Buchstaben ICO für Initial Coin Offering stehen.

Durch ein ICO können Start-ups den traditionellen Finanzierungsweg überspringen und sich getrost auf Ihre Projekte konzentrieren. Doch nicht alle ICOs sind unbedingt gleich, denn man unterscheidet zwischen drei unterschiedlichen Arten von Token, die bei diesem Crowdfunding an die Investoren ausgegeben werden.

Aus diesem Grunde haben Anleger häufig Schwierigkeiten, zu erkennen, in welche Kategorie ein Token fällt. Daher möchten wir Dir heute erläutern, worin der Unterschied zwischen einem Utility Token und einem Security Token besteht.  

Der Unterschied zwischen Token und Coin

Bei einer Blockchain geht es vor allem auch um Protokolle, die regeln wie einzelne Netzwerkknoten unter definierten Vorgaben miteinander kommunizieren. In dem Sinne sind Bitcoin und Ethereum nicht nur reine Kryptowährungen, sondern auch Protokolle.

Blockchains, wie die Bitcoin-, Ethereum- und NEO-Blockchain nutzen ihre eigene Blockchain, auf welcher die Coins – Bitcoin oder Ether – definiert werden. Ein Token braucht hingegen keine Blockchain, sondern baut auf vorhandenen Protokollen auf.

Klassische Beispiele hierfür sind der Pay Token von TenX, der als ERC20 Token auf der Ethereum Blockchain ist. Auf Basis der NEO-Blockchain basiert ein Token (NEP5) von der Kryptowährung Red Pulse (RPX). Monero, Cardano, IOTA, Dash, NEM und Lisk bezeichnet man hingegen als Coins, da sie als Kryptowährung auf einer eigenen Blockchain basieren.

In den letzten Monaten wurde darüber hinaus auch diskutiert, ob es sich bei Ripple und Ethereum um Security Token handelt. Man kam zu dem Schluss, dass Ripple als Security Token zählt, Ethereum jedoch nicht.

Was haben Aktien und Token gemeinsam?

Sobald man von Aktien spricht, sind diese eine verständliche Investmentmöglichkeit für die meisten Menschen. Anders sieht es bei Kryptowährungen und Token aus, da diese weniger greifbar sind. Was wäre aber, wenn man beide Konzepte – Aktien und Token – kombinieren könnte?

Im Grunde genommen werden Token und Kryptowährungen meist in einem Atemzug genannt, dabei haben sie nur wenig miteinander gemeinsam. Kryptowährungen dienen als Zahlungsmittel und sind somit ein digitales Äquivalent zu Fiatwährungen. Token sind hingegen ähnlich wie eine Aktie und fungieren als Wertanlage, um einen Service zu nutzen oder Gewinnberechtigung zu besitzen. Dabei unterscheidet man zwischen drei unterschiedlichen Token: Equity Token, Utility Token und Security Token.

Was ist ein Equity Token?

Equity Token sind „Aktien“, die von einem Start-up angeboten werden, bei dem einzelne Investoren oder Unternehmen Miteigentum an der Blockchain sowie Stimmrechte an der Blockchain haben. Sie geben Investoren Sicherheit, da sie am Wachstum des Blockchain-Netzwerks beteiligt sind und Belohnungen ausgezahlt werden. Equity Token sind ein wesentlicher Bestandteil einer ICO, da sie Start-ups eine innovative Finanzierungsmöglichkeit bieten.

Equity Token Offerings (ETOs)

Die Token können sowohl in öffentliche als auch in private Platzierungen investiert werden und über jede Aufsichtsbehörde im jeweiligen Land durchgeführt werden. Der Prozess des Equity Token Offerings ist ähnlich mit der Ausgabe von Aktien durch ein Unternehmen, das beispielsweise nicht mit der Blockchain verbunden wäre.

Hierfür gibt es unterschiedliche Plattformen, welche die Prozesse durchführen. Meist wird das Blockchain-Unternehmen zunächst auf einer Börsenplattform registriert, sofern das Unternehmen keine eigene Plattform besitzt. Außerdem muss das Unternehmen seinen Wert sowie den Gesamtbetrag der verfügbaren Investitionen angeben.

Inbegriffen müssen auch die Stimmrechte für potentielle Inhaber von Token und der Mindestanlagebetrag sein sowie die Handelbarkeit und Übertragbarkeit der Token. Nachdem die Handelsbedingungen festgestellt wurden, wird ein Vertrag zwischen der Gesellschaft und den Token-Holdern aufgesetzt.

Ein Pre Equity Token Sale ermöglicht es einem Unternehmen, die Token einer ausgewählten Gruppe von Anlegern anzubieten. Im Anschluss daran folgt das Public Placement, wobei dies nur zustande kommt, wenn die maximale Förderhöhe nicht erreicht wurde. Ferner ist die Shareholder Community von Bedeutung, d.h. Aktionären muss die Möglichkeit gegeben werden, Einblicke in die Aktivitäten der Gesellschaft zu erhalten. Hierzu zählen Abstimmungsplattformen, Reporting-Tools und Zahlungsmodalitäten für die Token-Inhaber.  

Gefahren und Chancen des Token Sale

Einer der interessantesten Aspekte der Blockchain sind dApps und Smart Contracts, die auf der Ethereum-Blockchain implementiert werden können. Sie bieten Start-ups die Möglichkeit durch einen Token Sale und im Rahmen eines Initial Coin Offerings (ICO) ihre Projekte zu finanzieren.

Gleichzeitig macht es den Aktienhandel für den durchschnittlichen Anleger zugänglicher und ermöglicht Aktionären eine aktivere Rolle bei der Corporate Governance zu übernehmen, da die Stimmabgabe transparent über die Blockchain erfolgen kann.

Aufgrund fehlender aufsichtsrechtlicher Regulierungen haben bisher nicht viele Start-ups diesen innovativen Finanzierungsweg über ein ICO gewählt. Darüber hinaus zögern einige Aktionäre in ICOs zu investieren, da es in der Vergangenheit leider auch einige schwarze Schafe gab. Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC blockiert nicht registrierte und betrügerische ICOs oder Token Sales, indem sie nur ICOs zulässt, die spezielle Bedingungen erfüllen können. Hierbei spielt besonders die Kategorie des Tokens eine entscheidende Rolle.

Letztes Jahr hat der Staat von Delaware ein Gesetz verabschiedet, um den Blockchain-basierten Aktienhandel legal zu machen. Die Gesetzesvorlage ermöglicht es Unternehmen, eine Liste von Aktionärsnamen auf einer Blockchain zu führen. Deswegen spielen Equity Token immer mehr eine zentrale Rolle in der Kryptofinanzbranche.

Der Howey-Test der SEC

Token sind Geschäftsanteile an einem Unternehmen, daher nutzt die SEC den Howey-Test, um die Sicherheit der Token zu prüfen. Der Test soll folgende Fragen beantworten:  

  • Handelt es sich um eine Investition im Sinne von Geld oder Vermögenswerten?
  • Befindet sich die Geld- oder Vermögensanlage in einem Unternehmen?
  • Sind Gewinne aus den Investitionen zu erwarten?
  • Entstehen Gewinne aus dem Streben oder von einem Dritten?

Ein weiterer Aspekt des Howey-Tests betrifft die Prüfung, ob irgendein Profit, der aus der Investition stammte, weitgehend oder vollständig außerhalb der Kontrolle des Investors liegt. Falls ja, bieten die Investitionen eine Sicherheit. Coinbase hat ein Tool veröffentlicht, mit welchem Developer herausfinden können, ob es sich um einen Security Token handelt oder nicht.  

Was sind Utility Token?

Da die Mehrheit der ICO-Teilnehmer Crowdsales als Investitionsmöglichkeit ansehen, handelt es sich bei den meisten Token um Utility Token – „Wertpapiere“. Erfüllt ein Token jedoch nicht die Anforderungen des Howey-Tests, wird er meist als Utility Token klassifiziert.

In manchen Fällen werden Utility Token auch als App-Coins und App-Token bezeichnet, da Sie Nutzern Zugang zu Dienstleistungen und Produkten geben. Ein wesentliches Merkmal der Utility Token ist, dass sie nicht als Investition konzipiert sind. Durch die Utility Token kann ein Start-up „digitale Tickets“ für seinen Service oder sein Produkt verkaufen.

Beispielsweise möchte Filecoin einen dezentralen Cloud-Speicherdienst bereitstellen, der es ermöglicht ungenutzten Speicherplatz auf der Festplatte zu nutzen. Durch den Token Sale erhalten die Investoren Token, mit welchen sie Speicherplatz von Filecoin erwerben können, sobald der Speicherdienst zur Verfügung steht.

Was ist ein Security Token?

Leitet ein Token seinen Wert von einem externen, handelbaren Vermögenswert ab, wird er als Security Token klassifiziert und unterliegt den Wertpapiervorschriften. Werden die Vorschriften nicht eingehalten, werden teure Strafen fällig, die ein Projekt wiederum gefährden können. Experten glauben, dass etablierte Unternehmen, anstelle des traditionellen Wertpapierhandels, eines Tages Aktien durch ICOs handeln werden.

Der Begriff Wertpapier ist eine breite Klassifikation und kann sich auf jede Art von handelbarem Vermögen beziehen. Durch ICOs haben Anleger Zugang zu einer breiten Palette an Security Token, welche wiederum gegen Coins bis hin zu Edelmetalle eingelöst werden können oder Token, die Anteile an Immobilien bieten. Um den Investoren Sicherheiten zu geben, unterliegen jene symbolischen Verkäufe und Investitionen in den USA den Wertpapiervorschriften.

Utility Token vs. Security Token – Was ist der Unterschied?

Eine Vielzahl an Blockchain-Projekten laufen als Token auf der Ethereum-Blockchain (ERC20 Token) – beispielsweise auch Tron und Binance Coin. Hierbei muss zwischen Utility und Security Token unterschieden werden. Prinzipiell kann man davon ausgehen, dass es sich bei den meisten Projekten um Utility Token handelt.

Vereinfacht gesagt, ist der Utility Token das Tool und die treibende Kraft auf der Blockchain. Ein Utility Token kann daher spezifische Funktionen auf der Blockchain übernehmen, um Transaktionen vorzunehmen oder Zugang zu einem Service zu gewährleisten. Der Utility Token fungiert somit als Tauschmittel.

Der Security Token ist dagegen als Wertpapier zu betrachten. Um als Security Token klassifiziert zu werden, muss der Token dem Besitzer als Anteilsrecht am Vermögen dienen oder ein Geldinvestment repräsentieren. Ferner ist ein Token in gewisser Weise an Gewinn- oder Umsatzversprechen gekoppelt. Ob der Token als Security Token klassifiziert wird, entscheidet der Howey-Test.

Aktien auf einer Blockchain

Aktien werden an der Börse gehandelt, Token liegen hingegen auf der Blockchain, wobei die Gewinne über andere Möglichkeiten ausgeschüttet werden. Prinzipiell wäre es möglich, alle Gewinne, die auf einer Plattform eingenommen wurden, wieder an die Besitzer automatisch auszuschütten.

Ein Overhead für Gewinnausschüttungen, wie er bei Aktiengesellschaften besteht, entfällt. Doch sind Aktien auf der Blockchain besser oder schlechter? An und für sich kann man sagen, dass Aktien auf der Blockchain besser sind, obwohl der Launch eines Tokens zur Gewinnberechtigung mit viel Aufwand verbunden ist. Nichtsdestotrotz bringen sie eine Vielzahl an Vorteilen mit sich.

  • Liquidität: Token werden auf der Blockchain gehandelt, d.h. sie können überall und jederzeit gehandelt werden, denn es gibt keine Öffnungszeiten, wie bei der Börse.
  • Effizienz: Die Transaktionen sind sehr schnell durchführbar.

Seit geraumer Zeit gibt es einen sogenannten ICO-Hype, der viele Finanzierungen ermöglicht hat. Die meisten von ihnen wurden jedoch durch Utility Token ermöglicht. Token, die man meist günstig kauft, um auf Wertsteigerung zu hoffen, sodass man später einen Nutzen daraus zieht.

Security Token sind allerdings mit mehr regulatorischen Herausforderungen verbunden, weil sie einem Investment ähneln und somit eher die Aufmerksamkeit der Finanzbehörden erhalten.

Wer einen Security Token launchen möchte, muss sich mit einer Vielzahl an Regulierungen auseinandersetzen und mit Experten kommunizieren. Einige Experten arbeiten an dieser Problematik, trotzdem ist die Kryptofinanzbranche nach wie vor relativ undurchsichtig. Dennoch sind Kryptowährungen – trotz großer Kursschwankungen – weiterhin sehr gefragt.

Prognosen für den Security Token im Jahr 2018

ICOs werden durch ihre traditionell unregulierte Form vermehrt regulatorischem und rechtlichem Druck ausgesetzt. Somit sind Blockchain-Start-ups dazu veranlasst, nach alternativen Modellen für tokenbasierte Finanzierungen zu suchen, die wiederum mit den Gesetzen und Vorschriften konform sind. Die wahrscheinlichste Alternative zu bestehenden Modellen sind Security Tokens. Der kanadische Blockchain-Experte Don Tapscott ist der Meinung, dass Security Token im Jahr 2018 im Kommen sind:

“Still nascent, but likely to explode in value, are security tokens—cryptoassets that represent financial assets, such as stocks, bonds, and futures contracts.”

Anthony Pompliano von der Venture Capital Firma “Morgan Creek Blockchain Capital” geht noch einen Schritt weiter und prophezeit, dass der Markt für Security Token größer sein wird, als der US-amerikanische Aktienmarkt.

Wie man den richtigen Security Token für eine Investition wählt

Schön und gut, dass der Security Token in der Kryptofinanzbranche einen Aufschwung erlebt, doch worauf sollte man als Investor unbedingt achten? Wenn es darum geht, in ein Security Token Offering (STO) zu investieren, sind im Grunde die gleichen Regeln anzuwenden, wie bei jeder traditionellen ICO. Zu Beginn sollten man jedoch die Hauptfragen stellen:

  • Hat das Start-up ein starkes Team, das seine Mission erfüllen kann?
  • Gibt es einen Markt für das Produkt und den Service des Projekts?
  • Wer sind die Konkurrenten und können sie ausgetragen werden?

Sobald diese Fragen beantwortet sind, sollten Anleger überlegen, wie die Struktur des Security Token aussieht und ob es den Vorschriften und Wertpapiergesetzen entspricht.

Struktur der Token: Security Token können in jeglicher Form und Größe vorkommen. Es kann sich um tokenisiertes Eigenkapital handeln, das den Inhabern einen Anteil an den Vermögenswerten des emittierenden Unternehmens zur Verfügung stellt, sie können aber auch in Form von Schuldtiteln wie z. B. in Token verzinsten Anleihen oder in Form eines Anteils an einem Immobilienentwicklungsprojekt vergeben werden.

Aufgrund einer vielfältigen Struktur ist es als Anleger wichtig, zu prüfen, wie das Security Token strukturiert ist und welche Auszahlungen man erhält. Auf diese Weise wissen Sie, ob dieses Angebot für Sicherheitstoken für Ihr Risikoprofil und Ihren Investitionsbedarf geeignet ist.

Genehmigung: Ferner sollte man sicherstellen, dass das Security Token Offering (STO) sich an Wertpapiergesetze und -vorschriften hält. Das wichtigste Argument für Security Tokens besteht darin, dass sie digitale Token mit regulierten Wertpapieren zusammenführen und dadurch die Aufsichtsbehörden besänftigen und es gleichzeitig jedem ermöglichen, ein Investor zu werden.

Ist das STO jedoch nicht bei der lokalen Aufsichtsbehörde registriert oder erfüllt es nicht die regulatorischen Anforderungen, ist dies ein klares Signal dafür, diese STO zu meiden.

Fazit

Da, durch die Klassifizierung als Security Token, erweiterte Offenlegungs- und Registrierungsanforderungen und somit auch höhere Kosten verbunden sind, möchten die meisten ICO-Projekte ihr Token nicht als Security Token klassifizieren. Anleger sollten jedoch wissen, dass sich ein Utility Token grundsätzlich von einer Aktie unterscheidet und dem Anleger kaum weitergehende Rechte einräumt.

Anleger erwerben somit keinen Anteil am Unternehmen und haben damit auch keinen Anspruch auf Dividenden oder sonstige Auszahlungen. Ein Utility Token ist lediglich ein Tool bzw. ein Tauschmittel auf der Blockchain, das bestimmte Funktionen erfüllt. Aus diesem Grund sehen Experten für den Security Token eine große Chance, da Anleger mehr Rechte erhalten.

In naher Zukunft sollen daher spezielle Plattformen für Security Tokens bereitgestellt werden. Zusammen mit Kabuni plant ein Unternehmen in British Columbia in Kanada einen Security Token, der später auf der kanadischen CSE-Plattform implementiert werden soll. Hat dieses Vorhaben Erfolg, könnten Security Token zu einer wahren Konkurrenz für Aktien werden.

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